Eine Heatmap ist eine Visualisierung, die sowohl Geschäftsbereiche mit leicht zu realisierenden Ergebnissen als auch akute Schwachstellen hervorhebt. Im Gegensatz zur PoC-Methode ermöglicht eine Heatmap den schnellen Rollout eines einsatzfähigen Produkts. Dazu ist es notwendig, sich zunächst auf eine begrenzte und klar defnierte Anzahl von Anforderungen, z. B. bestimmte Kundensegmente oder einzelne Prozesse, zu fokussieren.
Anstatt die bestehende E-Commerce-Lösung komplett auf ein neues System umzuziehen, wird die neue Plattform nur dort eingesetzt, wo das bestehende System nicht mehr den Bedürfnissen der Nutzer entspricht. Die Prozesse des alten Systems, die noch brauchbar sind, bleiben hingegen erhalten, d. h. das alte und das neue System laufen parallel und kommunizieren bei Bedarf miteinander.
So gehen Sie vor:
1. Business-Matrix erstellen
Der erste Schritt bei der Heatmap-Methode besteht darin, das Digitalisierungsteam (Vertreter aus IT, Vertrieb, Technik und Marketing) zusammenzubringen und einen Workshop zur Erstellung einer Business-Matrix durchzuführen. In solch einer Tabelle steht jede Spalte für ein bestimmtes Kundensegment. Die Segmente werden unterteilt und mittels Kombinationen von Schlüsselattributen definiert, die für das Unternehmen relevant sind, z. B. Größe (klein, mittel, groß), Markt (Herstellung, Vertrieb, Logistik), geografscher Standort und Geschäftsbeziehung (Partner, Vertriebspartner, direkter Kunde).
In der linken Spalte der Tabelle werden die wichtigsten Merkmale der aktuellen E-Commerce-Plattform als auch solche, die das Unternehmen einführen möchte, gelistet. Die Datenzellen in der Mitte geben Auskunft über die Wichtigkeit der verschiedenen Funktionen für das jeweilige Kundensegment. Um es einfach zu halten, kann dies in Form von relativen Werten erfolgen, wie „nicht sehr wichtig“, „ziemlich wichtig“ und „sehr wichtig“.
Idealerweise sollte das Unternehmen empirische Daten aus Business Intelligence (BI)-Anwendungen verwenden, d. h. die Zellen sollten Prozentwerte enthalten, die die relative Bedeutung der jeweiligen Segmente und Funktionen für die Organisation wiederspiegeln. Diese Matrix (oder Heatmap) hilft Unternehmen dabei, Prioritäten und neue Funktionen für die Entwicklung zu identifizieren.
2. Pain Points identifzieren
Der nächste Schritt besteht darin, die Pain Points der Kunden in den jeweiligen Kategorien zu ermitteln. Dazu sollte das Digitalisierungsteam zwei bis drei typische Kunden aus jedem Segment auswählen und mit ihnen einen Workshop durchführen. Ziel ist es, herauszufinden, wo es Verbesserungspotenziale gibt, welche Funktionen die Arbeit erleichtern würden und was die Kunden an der bestehenden E-Commerce-Plattform schätzen und/oder kritisieren. Idealerweise sollte das Unternehmen auch Workshops oder Umfragen in allen internen Abteilungen durchführen, die direkt oder indirekt am Verkaufsprozess beteiligt sind, z. B. Vertrieb, Marketing, Kundenakquise, Logistik und Buchhaltung.
Wenn man die Pain Points interner und externer Stakeholder in die Matrix einträgt, lässt sich auf einen Blick erkennen, wo die Prioritäten in der Entwicklung liegen. Zellen mit hohen Werten sollten besondere Aufmerksamkeit erhalten – insbesondere wenn der Kritikpunkt (z. B. Unzufriedenheit mit bestehenden Plattformfunktionen) einen großen Einfluss auf den Geschäftserfolg hat. Nach diesem Schritt kann sich auch den Bereichen mit hohem Wachstumspotenzial gewidmet werden – auch wenn die Beseitigung der Pain Points nach wie vor Priorität hat.
3. Schrittweise migrieren
Die Ergebnisse der Heatmap können verwendet werden, um ein partielles Replatforming-Projekt zu spezifizieren, das sich ausschließlich auf eine Untergruppe von kritischen Funktionen oder Kundensegmenten konzentriert und alle anderen ausblendet.
Ein solches Projekt mit abgestecktem Rahmen ist viel erschwinglicher und lässt sich sehr viel schneller umsetzen als eine vollständige Migration. Durch die Beseitigung spezifscher Probleme oder Schwachstellen und die Erschließung neuer Möglichkeiten wird sich das Projekt vom ersten Tag an bezahlt machen.
Die alte Plattform kann für alle Funktionen und Kundensegmente mit geringer Priorität beibehalten werden, was Zeit und Geld spart. Nach Abschluss eines ersten Heatmap-Projekts kann das Unternehmen die Vorgehensweise wiederholen und anhand der Matrixwerte die nächsten wichtigen Kundensegmente und Funktionen ermitteln. Die neue Lösung wird so schrittweise erweitert, bis die gesamte Plattform migriert ist.